Am letzten Wochenende ist es erneut zu gewaltsamen Auseinandersetzungen in der Innenstadt gekommen. Ein Fall führte zu dem mehr als bedauerlichen Tod eines 26-Jährigen. Vorfälle dieser Art im Herzen unserer Stadt haben sich in den vergangenen Monaten auffällig gehäuft. 

Da bleibt es natürlich nicht aus, dass man sich berechtigter Weise fragt, wie es um unsere Sicherheit in Rheine bestellt ist. Bei vielen entsteht das Gefühl, dass es immer unsicherer wird – ein subjektiver Eindruck. Schaut man sich aber die Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik an, dann geben diese objektiv nicht das subjektive Gefühl wieder. Insgesamt sank die Zahl der registrierten Straftaten in NRW auf den niedrigsten Stand seit dem Jahr 1991. Gleichzeitig ist die Aufklärungsquote die höchste seit 1960. Dieser Trend ist im Kreis Steinfurt und in Rheine nicht anders. Unsere Polizei macht einen guten Job. 

So sind beispielsweise im Jahr 2018 im Vergleich zu 2017 die Straftaten gegen das Leben (-2,3%), Rohheitsdelikte (-1,2%), Wohnungseinbruchsdiebstahl (-23,4%) und Straßenkriminalität (-8,5%) in Nordrhein-Westfalen rückläufig. Gleichzeitig steigen die Zahlen bei sexueller Nötigung (+72,1%), Straftaten gegen das Betäubungsmittelgesetz (+2,2%) und die Zahl der Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung kinderpornografischer Schriften (+13%). Hierbei sprechen wir allerdings nur über das Hellfeld, also Straftaten, von denen wir Kenntnis haben. Dies kann auch in einigen Bereichen den massiven Anstieg erklären.

Warum sich dennoch unser Sicherheitsgefühl nicht anhand der objektiven Zahlen zum positiven entwickelt, hat viele verschiedene Faktoren. Ein Bestandteil sind die sozialen Medien, in denen jeder Fall die Gemüter erregt und somit wesentlich präsenter ist. Anders als zu den Zeiten, in denen die Printmedien die einzige Informationsquelle waren. Sich mit dieser Analyse zufrieden zu geben und die Hände in den Schoß zu legen, kann aber nicht die Antwort sein. 

Denn trotz dieser positiven Entwicklung gibt es Orte, an denen sich offenbar neue Kriminalitätsschwerpunkte entwickeln. Dazu gehört mit Sicherheit die Kolpingstraße. Im Innenstadtbereich wurden allein in diesem Jahr 47 Anzeigen wegen Rohheitsdelikten erstattet. 

Das ist dramatisch, denn die Attraktivität einer Stadt zeichnet sich auch durch das Sicherheitsgefühl ihrer Bürger aus. Da darf das Nachtleben keine Ausnahme sein. Wir müssen in den Abendstunden in die Stadt gehen können, ohne sich Sorgen über die eigene Sicherheit machen zu müssen.

Gleiches gilt für Eltern, deren Kinder mit ihren Freunden die Stadt erkunden. Inzwischen gehen nur noch wenige Bekannte aus meinem persönlichen Umfeld in die Stadt, um gemeinsam eine schöne Zeit zu verbringen. Es ist einfach nicht mehr so attraktiv und wenn man sich dann nicht mehr sicher fühlt, wird Rheine das Nachtleben komplett verlieren. Wir überlassen dann die City einer bestimmten Klientel. Deswegen müssen wir unsere Innenstadt wieder attraktiver machen, noch mehr für die Gastronomie in Rheine öffnen und sie bei ihren Herausforderungen unterstützen. 

Insbesondere nach der Schließung von Rizz und Roxy konzentriert sich das Nachtleben auf ein paar Straßenzüge. Dieser Trend ist der Stadt und der Polizei nicht erst seit Juli dieses Jahres bekannt.

Wir benötigen mehr Einsatzkräfte vor Ort auf der Straße. Die Polizei ist zwar immer schnell vor Ort, wenn sie gerufen wird. Dann ist die Straftat jedoch schon begangen und kann nicht mehr unterbunden werden. Gleiches würde übrigens für die Videobeobachtung gelten. Dadurch würden im Zweifel die Straftaten in dunkle Winkel und Ecken verdrängt werden. 

Wir benötigen mehr Personal auf der Straße: Wie wäre es mit kooperativen Teams aus Ordnungsamt und Polizei in den Nachtstunden, die vor Ort präsent sind? Die Stadt sollte sich gemeinsam mit der Polizei schnell Modelle aus anderen Städten anschauen und Best Practice Beispiele übernehmen. Es kann nicht Aufgabe der Gastronomen sein, den öffentlichen Raum zu sichern. Das ist die zentrale Aufgabe des Staates.

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